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Wenn eure Daten nicht in die Cloud dürfen

Thomas Grafenau8. September 202610 Min. Lesezeit

„Datenschutz lässt KI bei uns nicht zu." Diesen Satz höre ich in fast jedem Erstgespräch im Mittelstand, und er ist nicht falsch. Er ist nur zu pauschal. Er stimmt für genau eine Variante von KI — die, bei der ein Chatfenster eure Daten an einen Server in einem anderen Land schickt, über den ihr nichts entscheidet. Und es gibt mehr als diese eine Variante. Wer den Satz ausspricht und damit das ganze Thema schließt, hat nicht KI abgelehnt. Er hat eine einzige Architektur abgelehnt und alle anderen gleich mit, ohne sie je angeschaut zu haben.

Der Satz hat eine reale Wurzel. Im Mittelstand sitzt jemand, dessen Aufgabe es ist, die Daten des Hauses zu verantworten — Konstruktionszeichnungen, Personalakten, Verträge, die Kalkulation, die kein Wettbewerber sehen darf. Für diesen Menschen ist Datensouveränität kein Schlagwort, sondern etwas, das er unterschreibt. Wenn die Geschäftsführung von der Messe zurückkommt und „endlich was mit KI" will, ist er der, der gleichzeitig zwei Dinge halten muss: den Wunsch von oben und die Pflicht, dass nichts das Haus verlässt, was es nicht verlassen darf. Diese beiden Dinge stehen sich nur scheinbar im Weg.

Die Verwechslung: KI ist nicht gleich Cloud

Der Denkfehler steckt in einer Gleichsetzung, die niemand bewusst trifft, die aber überall mitläuft: KI gleich Cloud gleich „Daten gehen raus". Sie kommt daher, dass die bekanntesten Werkzeuge genau so funktionieren — ein Feld im Browser, ein Knopf, und die Anfrage reist zu einem fremden Rechenzentrum. Das ist die sichtbarste Form von KI, also hält man sie für die einzige. Aber das Modell, das die Antwort gibt, und der Ort, an dem es läuft, sind zwei getrennte Fragen. Man kann ein leistungsfähiges Sprachmodell auf einem Server betreiben, der im eigenen Keller steht und keine Verbindung nach außen hat.

Das war vor zwei, drei Jahren noch anders. Da brauchte ein brauchbares Modell Hardware, die ein Mittelständler nicht im Haus hatte, und die offen verfügbaren Modelle waren spürbar schwächer. Das hat sich verschoben. Es gibt heute frei betreibbare Modelle, die auf einer einzelnen guten Grafikkarte laufen und für die meisten internen Aufgaben — eine Frage an die eigene Dokumentation stellen, einen Vertrag zusammenfassen, eine E-Mail vorformulieren — gut genug sind. Nicht für jede Aufgabe die Spitze. Aber für die Aufgaben, die im Mittelstand tatsächlich anfallen, oft mehr als ausreichend.

Wenn eure Daten nicht in die Cloud dürfen, habt ihr trotzdem Optionen.

Ein Projekt, in dem genau dieser Satz fiel

In einem unserer Projekte wollte ein Konstruktionsbetrieb einen Assistenten, der Fragen zur eigenen technischen Dokumentation beantwortet — rund 12.000 Datenblätter, Normen, alte Projektberichte, gewachsen über zwanzig Jahre. Die Anforderung war klar und gut: Ein neuer Mitarbeiter sollte fragen können „nach welcher Norm haben wir das 2019 ausgelegt?" und eine belegte Antwort bekommen, statt drei Kollegen zu stören. Im ersten Termin kam dann der Satz, fast entschuldigend: „Schön, aber das geht bei uns nicht. Unsere Konstruktionsdaten dürfen das Haus nicht verlassen."

Er hatte recht — für die Variante, die er sich vorgestellt hatte. In seinem Kopf lief ein Bild ab, in dem 12.000 vertrauliche Dokumente in ein fremdes Rechenzentrum wandern, damit dort ein Modell darauf antworten kann. Diese Variante wäre tatsächlich nicht gegangen, und es war richtig, sie abzulehnen. Nur war sie nicht die einzige, die zur Anforderung gepasst hätte. Wir haben den Satz nicht als Absage genommen, sondern als das, was er war: eine sehr präzise Architektur-Anforderung. Die Daten bleiben im Haus. Das ist kein Hindernis, das ist eine Vorgabe — und Vorgaben kann man bauen.

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